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Unheimlicher Waldlauf

Nachdem mein Seminar gestern und heute in Castrop-Rauxel in einem sehr schönen Seminarraum MIT Tageslicht (!) gut gelaufen ist, bin ich nur eine ¾ Stunde mit dem ICE weiter gefahren und in Bielefeld gleich wieder ausgestiegen. Mit dem Taxi flugs weiter nach Halle zum Gerry Weber Hotel, wo ich bereits herzlich erwartet wurde, ein tolles Zimmer bekommen habe und schwupps schnell in meine Turnschuhe geschlüpft bin, damit ich noch vor Einbruch der Dunkelheit meine Runde drehen konnte. Die Strecke kannte ich schon mehr oder weniger von einem meiner vorherigen Aufenthalte, bin aber diesmal im Wald anders abgebogen und einfach nach 2,5 km wieder umgedreht. Herrlich war der Lauf auf dem federnden Waldboden, aber es wurde doch schon ziemlich dunkel unter den Baumkronen und es war ziemlich unheimlich. Vor allem deshalb weil ich gerade das Buch „Die Chemie des Todes“ von Simon Beckett lese, wo eine Läuferin im Wald von einem Serienkiller überfallen wird...

Dies war natürlich nicht gerade förderlich für ein entspanntes Gefühl, jedes Knacken, Bellen nahm ich überdeutlich war... Vielleicht bin ich auch einfach ein Schisser, aber im Dunkel ist es mir echt zu unheimlich. In Berlin würde ich zwar auch im Dunkeln laufen, aber selbst da müsste ich mir eine andere Strecke suchen, denn meine normale Strecke an der Spree ist nur teilweise beleuchtet und auf den dort stehenden Bänken auch Übernachtungsrevier für sehr viele Obdachlose.

Der Lauf in der anbrechenden Dämmerung heute war okay, ich fühlte mich fast den ganzen Lauf durch gut, war wieder ohne Musik unterwegs. Gemein war nur, dass die nahe liegende Storck-Fabrik (ich sage nur Storck Riesen, Werther’s Echte...) an der ich direkt vorbei lief, scheinbar gerade die Fabrikhalle lüftete und es im ganzen Wald ganz fies nach Zucker und Karamell duftete... soo gemein!

Kurz nach der Hälfte der Strecke war ich allerdings froh mitten im Wald zu sein, denn ich hatte meine Verdauung scheinbar mal wieder ordentlich angekurbelt, so dass ich froh war in den Büschen verschwinden zu können. Dieses Problem ist in der Stadt, zumal mitten in Berlin, wo ich normalerweise ja unterwegs bin, nicht so einfach zu erledigen....

Nach 5,23 km und 37:59 min und einem Durchschnittstempo von 7:16 min/km war ich wieder zurück, bin unter die Dusche gehüpft und sitze jetzt mit einem Glas Weißwein aus der Minibar in meinem Hotelbettchen und genieße einen entspannten Abend. So, und jetzt rufe ich meinen Schatz an, der sich gerade mal wieder in Kiel rumtreibt!

Kommentare

  1. Durch einen dunklen Wald laufen, der nach Karamell und Zucker duftet? Also, im Märchen nimmt sowas nie ein gutes Ende ;)

    Zum Glück durfte in diesem Märchen die Prinzessin am Ende weißweinschlürfend im Hotel mit dem Prinzen telefonieren...und wenn sie nicht gestorben sind.. ;))

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  2. Nein, wir Frauen sind doch keine Schisser, sondern einfach nur vorsichtig ;-)
    Dieses gruselige Gefühl kenne ich auch, vor allem, wenn ich mit dem Fahrrad im Dunkeln durch den einsamen Moorweg muss...

    Wie ist denn der Beckett Krimi?
    Empfehlenswert?
    Ich mag Minette Walters (Das Eishaus) oder Elisabeth George. Ich weiß nicht, ob du sie kennst, aber falls doch, läßt sich Beckett mit diesen Damen vergleichen?

    Aber was viel wichtiger ist: Schön, dass du den Spass am Laufen wieder gefunden hast. Dein "Runner's Low" hörte sich schon recht bedenklich an. Was hast du denn in letzter Zeit für Musik beim Laufen gehört?
    "Ohne" kann jedenfalls manchmal ganz erfrischend sein.

    Ich wünsch dir noch eine schöne Restwoche - lass dich nicht zu sehr stressen...

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  3. Nee, watt kommst Du in der Weltgeschichte rum.

    Ich kenne die Kochgerüchte aus der heimatlichen Küche, die machen mich auch immer total fertig, wenn ich hungrig von der Arbeit noch meine Runden drehe.

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  4. @Frollein Holle: Och, wie schöööönnn!!! Ja, und die Prinzessin sank dann auch schnell in einen geruhsamen Schlaf ohne dass eine Erbse sie störte und wachte erfrischt am nächsten Morgen (und zum Glück nicht erst nach 100 Jahren) wieder auf!

    @salli: Ja, die George- und Walters-Krimis kenne ich auch. Ob es sich vergleichen lässt? Schwer zu sagen. Beckett beschreibt auf jeden Fall sehr ausführlich den Zersetzungsprozess der Leichen, was schon hier und da mal auf den Magen schlagen kann, wenn man da etwas empfindlich ist. Und er schafft es eine permanent gruselige Grundstimmung aufrecht zu erhalten, die mich alleine im Dunkeln in meinem Hotelzimmer schon manchmal das Buch schnell aus der Hand legen ließ... Also, wenn du sowas magst... Ich musste es heute morgen auf jeden Fall durchlesen, weil ich die Spannung nicht mehr aushalten konnte!

    @Anja: Naja, Weltgeschichte.... Westfalen halt... leider nicht so spannend. Aber Dir geht es doch wahrscheinlich ähnlich, nur dass Du dies nicht so regelmäßig in deinem Blog erwähnst, oder?
    Hihi, Du meintest bestimmt Koch- Gerüche, oder? Aber Gerüchte sind ja auch manchmal ganz unterhaltsam...

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  5. Ersteinmal freue ich mich ganz arg das es wieder läuft bei Dir! Klingt gut, nach dem wunderbaren Lauf, warme Dusche, Bett, Weißwein, Telefon ... herrlich perfekt!

    Lieber ein wenig mehr Schisser und außerdem finde ich das frau oder auch mann nicht alleine im dunklen Wald unterwegs sein müssen. Gerade die jetzt doch schon relativ früh einsetzende Dunkelheit gefällt mir so überhaupt nicht und ich überlege fieberhaft welche Strecken ich demnächst abends laufen könnte.

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  6. Ich wollte noch mal eine Rückmeldung geben:
    Inzwischen habe ich mir den Beckett Krimi aus der Bibliothek geholt.
    Du hast Recht, nichts für Menschen mit schwachem Magen, der Mann schreibt recht anschaulich. Auch deine Gedanken zum unheimlichen Waldlauf kann ich jetzt noch sehr viel besser nachvollziehen ;-)

    Alles in allem: Guter Tip, vielen Dank.

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